Ältere Zielgruppen und Digitalisierung

An der Digitalisierung führt kein Weg mehr vorbei, sei es im Privatleben oder im Beruf. Wir erledigen unsere Bankgeschäfte online, rufen Taxis per App, haben Listen und Akten gegen CRMs ausgetauscht und halten über soziale Netzwerke Kontakt mit Freund*innen und Bekannten. Eine Bevölkerungsgruppe wird dabei aber konsequent übersehen: ältere Menschen, die mit moderner Technologie nicht gut umgehen können.

Das betrifft natürlich auch das Fundraising in NPOs, denn ältere Menschen sind immer noch eine sehr wichtige Spender*innen-Gruppe. Viele von ihnen warten nach wie vor auf klassische Post-Zusendungen, um ihre Spende dann in Form einer Zahlungsanweisung zur Bank zu bringen. Gleichzeitig erwarten sich jüngere Zielgruppen digitale Angebote und Spendenmöglichkeiten – Organisationen müssen also beiden Wünschen entgegenkommen. 

 

Digitale Angebote für ältere Menschen

Natürlich gibt es auch ältere Menschen, die sich mit den neuen Technologien befassen und gerne Online-Services nutzen. Damit das gut klappt und digitale Angebote einfach zugänglich und nutzbar sind, sollten u.a. diese Punkte beachtet werden:

  • In Texten und Menüs auf Webseiten auf technische oder englische Begriffe verzichten
  • Einfache, übersichtliche Navigation und deutlich gekennzeichnete Links
  • Keine allzu großen und häufigen Veränderungen an der Webseite, damit sich die Klickwege nicht ändern
  • Leicht lesbare Schrift und hohen Kontrast verwenden

Digitalisierung sollte ältere Zielgruppen nicht ausschließen, sondern darauf abzielen, digitale Angebote so zu gestalten, dass sie für alle Altersgruppen zugänglich und nützlich sind. Denn durch die Nutzung von Online-Angeboten kann Einsamkeit verringert und gesellschaftliche Teilhabe und Autonomie gefördert werden. Es kann also auch eine gute Idee sein, ältere Menschen beim nächsten Webseiten-Relaunch gleich von Anfang an in die Planung miteinzubeziehen, bzw. zumindest auf Barrierefreiheit zu achten. 

Nicht viele Senior*innen sind online - zumal es häufig in Altersheimen keinen Internetanschluss gibt.

Häufig fühlen sich Menschen, die noch nicht mit digitaler Technologie vertraut sind, aus der Gesellschaft ausgeschlossen. So schließen z. B. immer mehr Bankfilialen, weil Transaktionen mehrheitlich online in Auftrag gegeben werden, oder Kommunikation findet nur noch per E-Mail statt. Das sind erhebliche Einschränkungen für jemanden, der in einer reinen Offline-Welt aufgewachsen ist. 

Als Non-Profit-Organisation sollte man dieses Aspekt nicht nur aus ethischen Gründen berücksichtigen, sondern auch aus der Fundraising-Perspektive. Die älteren Generationen sind gute Spender*innen-Gruppen, da sie meistens finanziell stabil sind und etwas zurückgeben möchten. Sie sind sich auch der Probleme, die Non-Profits zu lösen versuchen, bewusster, da sie in ihrem Leben schon viel Leid und Not gesehen haben. Angebote gezielt für diese Zielgruppe zu entwickeln kann also eine sinnvolle Fundraising-Strategie sein.

 

Offline Angebote beibehalten

Neben leicht zugänglichen und barrierefreien Online-Inhalten sollten auch Offline-Möglichkeiten weiterhin bestehen. Ein Telefonanschluss ist nach wie vor ein Muss, auch wenn die meisten Menschen heute lieber per E-Mail oder Messenger kommunizieren. Oft ist das nämlich die einzige Möglichkeit, wie ältere Menschen Deine Organisation kontaktieren können.

Klassische Mailings und Print-Produkte kosten zwar mehr Geld als ihre Online-Geschwister, haben aber auch ein paar Vorteile ihnen gegenüber. So erreichen sie Deine Zielgruppen zuhause, wo sie eher gelesen und nicht so schnell überscrollt werden. Und gerade für ältere Menschen ohne Internet sind Mailings die einzige Möglichkeit, sich über die Arbeit Deiner Organisation zu informieren und zu spenden. 

Natürlich wird sich diese Situation mit der Zeit wandeln – Technologien, die heute als neu und modern gelten, werden in 10, 20 Jahren wieder veraltet sein. Außerdem wird es immer weniger Menschen geben, die überhaupt nicht mit digitalen Angeboten umgehen können. Es könnte also zukünftig durchaus sein, dass Organisationen ganz auf Online umschwenken können. Aber bis es soweit ist, dürfen wir unsere älteren Mitmenschen nicht vergessen. 

 

Balance halten

Wir alle kommen mit der Technologie, mit der wir aufgewachsen sind, am besten zurecht. Wer heute firm im Umgang mit Online-Shopping, Handy-Apps und Social Media ist, könnte in 30 Jahren zum Beispiel Probleme damit bekommen, sich im Metaversum zurecht zu finden oder künstliche Intelligenz zu nutzen. Wer sich nicht ein Leben lang am Laufenden hält, verliert bei der Weiterentwicklungsgeschwindigkeit von Technologie schnell den Anschluss.

Daher wird die Diskrepanz zwischen der Adaption neuester und dem Beibehalten herkömmlicher Technologien und Methoden bestehen bleiben, auch wenn zukünftig immer mehr – oder alles – online gemacht wird. Für Organisationen bedeutet das, dass sie eine gute Balance finden und trotz der Implementierung neuester digitaler Technologien weiterhin zugänglich für die älteren Zielgruppen bleiben sollten. 

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