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Warum wir gendern

Für alle geltende Regeln in einem Unternehmen festzulegen, ist eine weitreichende Entscheidung. Deshalb haben wir es uns auch nicht leicht gemacht und Argumente abgewogen. Letztlich haben wir uns direkt an betroffene, also nicht-binäre, Menschen gewandt, um ihre Wunschvorstellungen kennenzulernen. Dabei haben wir erkannt, dass Gendern ganz klar im Einklang mit unserem Selbstverständnis steht.

 

Unser Selbstverständnis

Die Wikando GmbH ist ein Unternehmen, dass sich zum Ziel gesetzt hat, Non-Profit-Organisationen beim Erreichen ihrer Missionen zu unterstützen. Wir machen das, weil uns ihre Ziele selbst sehr am Herzen liegen. Wir wünschen uns eine Welt ohne Diskriminierung, in der alle Menschen dieselben Chancen haben und eine gerechtere Gesellschaft entstehen kann. 

Außerdem sehen wir uns selbst als eine werteorientierte Organisation, die Menschen mit dem Wunsch nach einer sinnvollen Tätigkeit zusammenbringt und ihnen ermöglicht, sich für das einzusetzen, das ihnen wichtig ist. Wir sind offen gegenüber Neuem, neugierig und inklusiv. 

 

Unsere Gründe

Betrachtet man unser Selbstverständnis, liegt es auf der Hand, dass wir diese Offenheit und Inklusivität auch zum Ausdruck bringen wollen. Gendern ist für uns eine Möglichkeit, genau das zu tun – und damit noch Weiteres zu erreichen. Die Entscheidung zu gendern ist auch die Entscheidung dafür, marginalisierte Gruppen sprachlich sichtbar zu machen.

Wir sind davon überzeugt, dass Sprache die Wirklichkeit abbilden muss. Wir wenden uns mit unserer Kommunikation nicht nur an Männer, sondern auch an Frauen und Personen mit nicht-binärer Gender-Identität. Das visualisieren wir mit dem inklusiven Gender-Stern. Wir haben auch überlegt, uns auf die reine Nennung der männlichen und weiblichen Form zu beschränken, doch das würde der Realität der Existenz zahlreicher unterschiedlicher Identitätsformen nicht gerecht werden.

Sprache verändert sich seit Jahrhunderten laufend und passt sich der Gesellschaft und den herrschenden Bedingungen an. Jedes Jahr nimmt der Duden neue Wortschöpfungen auf, die Jugendsprache verändert sich von Generation zu Generation und selbst die Rechtschreibung unterliegt Veränderungen.

Außerdem glauben wir daran, dass durch sprachliche Inklusion mit der Zeit – wenn auch langsam – gesellschaftliche Veränderung möglich ist. Einerseits macht der Gender-Stern immer noch diskriminierte, als von der Norm abweichend diffamierte Gruppen sichtbarer, andererseits weicht er starre Geschlechter-Rollen und -Zuschreibungen auf und zeigt die Diversität unserer Gesellschaft. Dass der Lesefluss dabei dezent ins Stocken gerät, ist im Sinne der Bewusstmachung gewollt.

Wir lieben Sprache und die Möglichkeiten, die aus ihr erwachsen. Wir können sie einsetzen, um Gutes zu tun, um Menschen zusammenzubringen und die Zukunft zu gestalten. Es geht darum, die Freiheit der Menschen anzuerkennen, zu sein, wer sie sein wollen. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, zu gendern.

 

Die Konsequenzen

Jede Entscheidung hat ihre Konsequenzen. Richtig zu gendern ist nicht immer einfach – es erfordert eine aktive Auseinandersetzung mit Formulierungen, die wir bisher nie hinterfragt hatten. Es braucht Übung und den Willen, sich an Neues zu gewöhnen. Doch unserer Erfahrung nach ist es ein lohnender Prozess, denn man verwendet Sprache dadurch bewusster, flexibler und kreativer.

Eine weitere Konsequenz, mit der wir rechnen mussten, ist die Kritik, die uns seit dieser Entscheidung gelegentlich erreicht. Wir müssen damit leben, dass unsere Inhalte von Gender-Kritiker*innen abgelehnt werden, und diese vielleicht deshalb nicht zu unseren Kund*innen werden. Da wir unsere Werte aber über unseren wirtschaftlichen Erfolg stellen und wir auch sehr viel Zuspruch und Bestätigung von anderen erhalten, ist das ein Opfer, das wir bereit sind zu tragen. 

Die Kritik, die wir erhalten, ist oft sehr emotional und unterstellt uns, dass wir durch das Gendern jemanden zu etwas zwingen möchten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wir unterstützen damit das Abbauen von gesellschaftlichen Zwängen, die auf dem biologischen Geschlecht beruhen. Es ist nicht unsere Absicht, jemanden zu erziehen oder zu bevormunden. Wir wollen lediglich zum Ausdruck bringen, dass wir alle Menschen gleichermaßen ansprechen.

Uns ist bewusst, dass gegenderte Sprache Flexibilität, Offenheit und die Fähigkeit, sich an Neues zu gewöhnen, von den Lesenden erfordert. Dennoch halten wir das für zumutbar, wenn es darum geht, Diskriminierung und Marginalisierung von Menschen, die nicht der gesellschaftlichen “Cis-Norm” entsprechen, endlich zu beenden. Außerdem müssen wir gemeinsam daran arbeiten, starre Machtstrukturen aufzubrechen und Gleichberechtigung für alle Menschen zu erreichen.

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