Umfrage: Gutes tun stärkt das mentale Wohlbefinden
Die zentralen Ergebnisse im Überblick
- Lebenszufriedenheit: 78 % der sozial Engagierten sind mit ihrem Leben zufrieden – gegenüber 65 % in der Gesamtbevölkerung.
- Glück & Selbstwert: 77 % der Ehrenamtlichen bezeichnen sich selbst als glücklich (Gesamtbevölkerung: 63 %), 71 % berichten von einem positiven Selbstwert (vs. 58 %).
- Körperlich aktiv: 53 % der Engagierten führen einen aktiven Lebensstil (Gesamtbevölkerung: 40 %).
- Resilienz & Sinn: 69 % der Engagierten sehen sich als resilient beim Umgang mit Belastungen (vs. 55 %) und 70 % empfinden ihr Leben als sinnvoll und erfüllend (vs. 57 %).
Engagement am Arbeitsplatz: Bei Erwerbstätigen, die sich engagieren, haben acht von zehn die Möglichkeit, dies auch während der Arbeitszeit zu tun – und befürworten diese Chance stark.
Forschungsperspektive: Korrelation ist nicht Kausalität
Diese Zahlen sind beeindruckend – aber sie beantworten nicht die Frage nach Ursache und Wirkung. Die Studie ist eine Momentaufnahme und kann nicht klären, ob Engagement Menschen glücklicher macht oder ob glücklichere Menschen sich eher engagieren.
Wahrscheinlich wirken beide Richtungen zusammen:
- Menschen mit positiver Lebenseinstellung engagieren sich häufiger, weil sie mehr Energie und Vertrauen in ihre Wirksamkeit haben.
- Gleichzeitig berichten viele Engagierte, dass das Ehrenamt ihrem Leben Sinn gibt, soziale Bindungen stärkt und ihr Wohlbefinden verbessert.
Langzeitstudien zeigen, dass Engagement und Glück oft einen positiven Kreislauf bilden: Wer sich engagiert, fühlt sich eingebundener und zufriedener, was wiederum das Engagement stabilisiert. Umgekehrt kann fehlendes Wohlbefinden ein Hindernis für den Einstieg ins Engagement sein.
Was NGOs aus diesen Erkenntnissen ableiten können
Diese Umfrage liefert wertvolle Impulse, wie gemeinnützige Organisationen ihr Ehrenamt attraktiver gestalten und zugleich ihre Wirkung verstärken können:
1. Engagement als Win-Win kommunizieren
Engagement ist nicht nur altruistisch, sondern kann auch das persönliche Wohlbefinden stärken. Das ist eine motivierende Botschaft in der Freiwilligengewinnung, im Fundraising und in der Öffentlichkeitsarbeit.
2. Engagement während der Arbeitszeit anregen
Wenn Unternehmen oder öffentliche Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden erlauben, sich während der Arbeitszeit sozial zu engagieren, wirkt das positiv auf Motivation und mentale Gesundheit – und schafft neue Ressourcen für NGOs. Partnerschaften in diesem Bereich lohnen sich.
3. Niedrigschwellige Strukturen schaffen
Um auch Menschen zu erreichen, die nicht von vornherein „glücklich und aktiv“ sind, sollten NGOs flexible Formate anbieten:
- Kurzzeit- oder Mikroengagements
- Digitale Möglichkeiten
- Begleitung für Einsteiger*innen
- Optionen für unterschiedliche Energielevels und Lebenssituationen
4. Wirkung ganzheitlich messen
Zusätzlich zu gesellschaftlichen Effekten können NGOs auch die persönlichen Wirkungen des Engagements erfassen (z. B. Sinnempfinden, soziale Einbindung, psychisches Wohlbefinden). Das macht den Mehrwert sichtbar – nach innen wie nach außen.
5. Narrative verändern
Weg vom Bild des selbstaufopfernden „Gutes tun“ – hin zu einer Sprache, die Engagement als Bereicherung für alle Beteiligten darstellt. Das öffnet neue Zielgruppen und stärkt das Image des Ehrenamts.
Engagement als Element eines glücklichen Lebens
Freiwilliges Engagement hat viele Facetten – für die Gesellschaft und für die Engagierten selbst. Umfragen wie diese zeigen eindrücklich, dass zwischen Engagement, Sinn und Lebenszufriedenheit enge Verbindungen bestehen. NGOs können diesen Zusammenhang kommunikativ nutzen, sollten dabei aber differenziert bleiben:
Engagement macht nicht automatisch glücklich – aber es kann ein kraftvoller Teil eines erfüllten Lebens sein.