Trauriger Hund vs. glücklicher Hund: Was bringt mehr Spenden? (Studie)

Es ist eine alte Frage im Fundraising: Nehmen wir das Bild mit dem traurigen Kind, oder lieber das mit dem lachenden? Welche Gestaltung bewegt Menschen tatsächlich zum Spenden? Eine neue experimentelle Studie von Diana Cillo et al. (2025) liefert darauf klare Antworten. 

 

Ein klarer Befund: Negative Bilder wirken am stärksten

Die Studie untersuchte, wie Studierende auf vier Varianten von Spendenboxen reagieren – jeweils kombiniert aus positiven oder negativen Tierfotos und Gewinn- oder Verlustbotschaften.

Das Ergebnis ist eindeutig:

  • Negative Bilder führten zu signifikant höheren Spenden.

  • Die Wirkung war stark: Im Durchschnitt wurden rund 35 % mehr gespendet, wenn ein leidender Hund zu sehen war.

  • Die Textbotschaft spielte kaum eine Rolle. Ob der Appell positiv (“Mit deiner Hilfe…”) oder negativ (“Ohne deine Hilfe…”) formuliert war, änderte praktisch nichts.

  • Es gab auch keine Wechselwirkung zwischen Bild und Text – das Bild dominiert das Verhalten.

Die Statistik dahinter ist eindeutig: Der Effekt der Bildgestaltung war hochsignifikant und mit einer großen Effektstärke verbunden.

Die zentrale Aussage könnte knapper kaum sein:

Menschen spenden, wenn sie Leid sehen – nicht, wenn sie Hoffnung lesen.

 

Warum das so ist: Verlustaversion und die Macht der Affordanzen

Die Studie knüpft an die Prospect Theory an, die beschreibt, dass Menschen empfindlicher auf drohende Verluste reagieren als auf mögliche Gewinne. Für das Fundraising heißt das:

  • Ein Hund in Not signalisiert Dringlichkeit.

  • Ein glücklicher Hund sendet eher Entwarnung.

Cillo et al. interpretieren dies als „Affordances“: Umweltreize, die ein bestimmtes Verhalten nahelegen. Ein trauriger Hund ruft nach Hilfe – ein fröhlicher Hund dagegen suggeriert, dass schon alles gut ist.

Diese Wirkung ist kein Einzelfall. Eine ergänzende Analyse von The Conversation zeigt, dass traurige Gesichter über viele Spendenkontexte hinweg wirksamer sind als fröhliche. Wer Leid erkennt, reagiert mit Empathie und möchte Abhilfe schaffen. Fröhliche Gesichter dagegen lösen zwar Sympathie aus, aber weniger Handlungsdruck.

Kurz gesagt:
Positive Bilder wärmen das Herz. Negative Bilder öffnen die Geldbörse.

Textbotschaften verlieren gegen Bilder – auch im digitalen Umfeld

Die Studie fand keinen signifikanten Effekt bei Texten. Warum?

  • Bilder werden schneller verarbeitet als Text.

  • Starke emotionale Bilder verdrängen die kognitive Aufmerksamkeit, die kurze Botschaften benötigen.

Das bedeutet nicht, dass Text grundsätzlich irrelevant wäre. Aber:

Wenn Bild und Text konkurrieren, gewinnt das Bild. Immer.

 

Implikationen für Nonprofits – besonders für Tierschutzorganisationen

1. Negative Bilder sind der stärkste Hebel

Die Daten sprechen eine deutliche Sprache:

  • Wer Spenden generieren möchte, sollte authentische, aber emotionale Notsituationen zeigen.

  • Wichtig dabei: ethische Grenzen wahren, keine Schockbilder verwenden und Betroffene respektvoll darstellen.

2. Investitionen in Textfeinschliff haben geringe Rendite

Das Umschreiben von Botschaften in Gewinn- oder Verlustframe kann sinnvoll sein – aber nur, wenn kein starkes Bild dominiert. In Online-Kampagnen oder Social-Media-Ads geht der Effekt tendenziell unter.

 

3. Für digitale Spendenumgebungen besonders relevant

In überfüllten, visuell reichen Online-Feeds werden Worte noch stärker überlagert als in klassischen Printmaterialien. Emotionale visuelle Reize sind dort entscheidend, um Aufmerksamkeit zu gewinnen.

 

4. Kultur beachten

Die Sensibilität gegenüber Leid und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, variiert kulturell. Wer international arbeitet, sollte visuelle Strategien lokal testen.

 

Eine ethische Bildwahl ist zwingend: realistisch, respektvoll, ohne Sensationalismus. Entscheidend ist, Leid zu zeigen, ohne die Würde der dargestellten Tiere oder Menschen zu verletzen. Die Daten legen nahe, dass schon leichte negative Kontraste ausreichen, um Wirkung zu zeigen.

 

Wie passt das zu der bisherigen Annahme, dass Menschen von negativen Bildern abgestoßen werden?

Auf den ersten Blick scheint der Befund der Studie im Widerspruch zu einer gängigen Einsicht aus der Digitalwelt zu stehen: Negative Bilder führen häufig dazu, dass Menschen im Social-Media-Feed schnell weiterwischen, weil sie sich im Unterhaltungsmodus nicht mit belastenden Emotionen auseinandersetzen möchten. Dieser Effekt ist gut belegt – aber er gilt nicht für alle Kommunikationskontexte gleichermaßen.

Entscheidend ist der Rahmen, in dem ein Bild erscheint.
In Social Media konsumieren Menschen Inhalte primär zur Ablenkung oder Unterhaltung. Negative Reize wirken dort wie ein Stimmungsbruch und werden reflexartig übersprungen. Ganz anders verhält es sich, wenn ein negativer Reiz in einem Kontext auftaucht, der klar als Spenden- oder Hilfssituation erkennbar ist. In solchen Momenten aktivieren traurige oder verletzliche Darstellungen nicht Abwehr, sondern Mitgefühl und Dringlichkeit. Die Wahrnehmung verschiebt sich: Aus einem „Ich will das gerade nicht sehen“ wird ein „Ich sollte etwas tun“.

Negative Bilder sind also nicht per se abschreckend. Sie sind situationsabhängig wirksam. In einem Unterhaltungsstrom erzeugen sie Distanz – in einem Hilfskontext erzeugen sie Handlungsbereitschaft. Für Fundraising bedeutet das: Authentische, emotional aufgeladene Bilder können starke Impulse setzen, solange sie respektvoll gestaltet sind und in einem Umfeld erscheinen, das Hilfe und Beteiligung klar kommuniziert.

 

Bild vor Text & negative vor positiven Gefühlen

Die Studie liefert einen robusten empirischen Befund, der Fundraiser*innen eine klare Richtung gibt: Wer Spenden maximieren möchte, sollte die emotionale Schlagkraft von Bildern nutzen. Insbesondere negative, empathieauslösende Motive schaffen Dringlichkeit und erhöhen die Spendenbereitschaft deutlich.

Textbotschaften können diesen Effekt nicht verstärken – aber sie können solide kontextualisieren, erklären und Vertrauen aufbauen. Die Entscheidung zur Spende fällt jedoch im Bruchteil einer Sekunde. Und dieser Moment gehört dem Bild.

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